Kusel – die drei Musikanten

Kusel

Die Musikanten in Kusel

Der Kreisel in Kusel zeigt drei Musikanten und der geneigte Autofahrer wird sich vielleicht denken, dass es hier eine besondere Kapelle oder Orchester in Kusel gibt. Doch diese Kreiselkunst ist eher ein Gedenken an eine schwere Zeit, in der sich die Menschen als Musikanten ihr Brot verdienen mussten. Einige wurden Berühmtheiten, brachten es zu Wohlstand und andere zog es hinaus in die Welt. Daher ist diesen Musikanten heute nicht nur eine Dauerausstellung in der Burg Lichtenfels gewidmet, sondern auch ein Kreisel inmitten der Bundesstraße 420 in Kusel.

Kusel ist eine Stadt mit knapp 5000 Einwohnern. Die Stadt liegt im Westen von Deutschland über dem Elsaß in Rheinland-Pfalz. Die Altstadt bietet einen herrlichen Blick in alte Gassen und Straßen, mit gut erhaltenen alten Bauwerken. Das Pfarramt St. Ägidius ist selbst noch ein altes, aber sehr gut erhaltenes Bauwerk. Dabei kann das Gebiet neben der Burg Lichtenfels einige weitere Sehenswürdigkeiten aufwarten. Darunter sind die Burg Lichtenberg am Thallichtenberg, die Ruine Michelsburg, die Frauenburg, die Ruine Altwolfstein, die Wasserburg oder die Ruine Neuwolfstein. Als anerkannte Naturdenkmäler sind hier das Römerdenkmal, die Viergöttersteine, das Mithras-Denkmal oder die Dietschweiler Mühle bekannt. Für die Freizeitgestaltung bietet Kusel nicht nur kulturelle Bauten, sondern auch Erlebnisausflüge in das Besichtigungskalkbergwerk, einen Bienenlehrpfad, Hochseilgarten, das Naturfreibad Weiher, die Sittichfarm oder den Wildpark Potzberg. Kurs gesagt, ist Kusel eine attraktive Stadt für Ausflügler.
Die Geschichte der Stadt geht bis in das 9. Jahrhundert zurück. Von da an war es ein langer Weg mit Spaltung, gerade durch die Nähe zu Frankreich, bis es die heutige Form und Größe angenommen hat. Ein bekanntes Kind der Stadt Kusel ist unter anderem Axel Weber, der Bundesbankpräsident. Daneben stammen aus Kusel Politiker, Fußballspieler und Wissenschaftler. Miroslav Klose ist zwar hier nicht geboren, lebte aber mit 8 Jahren hier, bis er dann weiterzog. Mit dem Auto kommt man über die Autobahn A62 nach Kusel, die im Süden mit der A6 in Richtung Kaiserslautern kreuzt. Die Landstraße 420 aus Richtung Osten und von der 423 von Süden führen nach Kusel. Die nächsten Städte sind Kaiserslautern im Südosten und Saarbrücken im Westen, nahe der französischen Grenze.

Einst war in Kusel die Weberei und Textilherstellung ein großer und wichtiger Wirtschaftszweig, der Wohlstand bis ins 19. Jahrhundert brachte. Über 400 Jahre war das Handwerk der Wollweber, Hutmacher und Tuchmacher das Großgewerbe in der Region. Der Handel florierte in der Stadt zu noch nie da gewesener Größe auf. In der damaligen Tuchfabrik liegen heute Gewerberäume, wobei das Gebäude selbst nur durch Geld der EU erhalten und saniert werden konnte. Doch dann brach mit der Mechanisierung ein neues Zeitalter an und viele der von Hand erledigten Arbeiten übernahmen Maschinen. Daraus wurde eine große Krise für die Region, da hier ausschließlich Textilherstellung beheimatet war. Andere Berufe oder Industrie siedelten sich nicht an und waren schon in der Geschichte nie hier ansässig, weswegen der Absturz der Textilherstellung nichts entgegen zu setzen war. Die Region war schlichtweg von der Textilherstellung und den Webereien abhängig. Zudem war dann zu Beginn des 19. Jahrhunderts Geld nichts mehr Wert und selbst für 100 Millionen Mark war kein Brot mehr zu kaufen in der Westpfalz. Jedenfalls mussten sich die Leute etwas Anderes einfallen lassen, da andere Handwerkszweige und Industrien sich nicht in Kusel entwickelt haben. Viele Menschen verdingten sich daher in Steinbrüchen und verrichteten einfache körperliche Arbeit zu einem sehr niedrigen Lohn, da ihnen kaum etwas anderes übrig blieb. Andere spielten ein Musikinstrument und zogen als Wandermusiker umher. Das Musikantenlandmuseum erinnert an die Zeit der Wandermusiker, mit der Kreiselkunst wird gerade im Verkehr an sie gedacht, da die Wandermusiker ja auch unterwegs, auf den Straßen sozusagen, unterwegs waren. Eine Dauerausstellung für die Wandermusiker ist in der Zehntscheune in der Burg Lichtenfels zu sehen, die nahe bei Kusel liegt.
Die Wandermusiker und Musiker kamen oft in Zirkuskapellen unter, leisteten in Militärkapellen ihren Dienst oder spielten in Symphonieorchestern mit. Dies musste kein Abstieg und ein Leben in Armut sein. Es gab auch einige Musiker, die es dann in der Kunst zu etwas brachten und richtig wohlhabend wurden. Als leuchtendes Beispiel ist der Komponist Drumm zu nennen. Er erschuf den Marsch „Hail of America“, der bis heute im Weißen Haus bei dem Empfang von Staatsgästen gespielt wird. Es war für einige der Musikanten also mehr als nur Broterwerb, sie nutzten die Chance und machten aus dem Unglück eine Gelegenheit. Dass hier auch immer etwas Glück mit im Spiel ist, dürfte klar sein.

Auf dem Kreisel ist ein Schlagzeuger, ein Trompeter oder Tuba-Spieler und ein Musiker mit einem Akkordeon in der Hand. Sie stehen versetzt zueinander, wobei der Schlagzeuger direkt nach vorne blickt, der Tuba Spieler von seinem Instrument dominiert wird und der Akkordeonspieler gen Himel schaut. Die Figuren sind aus Bronze gegossen und von dem Künstler Walter Schembs aus Worms hergestellt. Der Künstler hat als Markenzeichen die typisch langen Figuren entwickelt. Er bekam neben vielen Ausstellungen in ganz Deutschland auch den Kunstpreis von Heidelberg verliehen. 2011 ist er mit seiner Werksausstellung auch wieder in Kusel zu Gast, nachdem er in mit seinem Solo Projekt in Basel in der Schweiz war. Seine Ausstellung in Kusel fand in dem Stadt- und Heimatmuseum statt.
Die drei Musikanten stehen auf einem großen quadratischen Sockel in der Mitte des Kreisels auf der Bundesstraße 420, werden also empor gehoben. Bei Nacht werfen Scheinwerfer ihr Licht auf die drei Wandermusiker, damit diese dunkle Zeit in der Region nicht mehr vergessen wird. Die drei Bronzefiguren mahnen an die alte Geschichte der Stadt. Bei der Finanzierung der Kunst oder das Denkmal haben der Rotary-Club aus Kusel in Zusammenarbeit mit der Stiftung Rheinland-Pfälzer Kulturgut einen Erfolg verbuchen können. Noch heute bezeichnet sich Kusel als das Musikantenland und wirbt damit für seine Touristik.

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Datum: Sonntag, 31. Juli 2011 19:50
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3 Kommentare

  1. 1

    Das ist aber ein Kunststück, im ganzen Text einen der größten Söhne der Stadt – und darüber hinaus Musiker -, Fritz Wunderlich, nicht zu erwähnen.

  2. 2

    Sehe das nicht als Problematisch an, es gibt doch immer wieder aufmerksame Leser.

  3. 3

    Es wäre schon gut, wenn man die „Burg Lichtenfels“ richtig benennen würde. Nämlich als Burg Lichtenberg!!!

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