Enkenbach-Alsenborn – Der Pflug

Enkenbach-Alsenborn

Ein Elefant ist am Pflug eines Mannes in Enkenbach-Alsenborn eingespannt

Es ist ein wahrlich seltsames Bild, das eine Kreiselkunst in Enkenbach-Alsenborn bietet. Ein Mann am Pflug geht hinter einem Elefanten her, der wie ein Ochse eingespannt ist und den Pflug zieht. Die ungewohnte Ansicht ist am 20. Juni 2006 der Welt offenbart worden. Dabei gab es sogar ein kleines Fest, mit Musik und zahlreichen Gästen. Besucher können sich die Frage stellen, ob die Bewohner sehr kreativ oder gar verrückt sind, wenn sie sich solche Kunstwerke auf den Kreisel stellen, und hat dabei nicht ganz unrecht. Das Verrückte ist aber nicht, dass die Kreiselkunst mit einem am Pflug ziehenden Elefanten nun auf dem Kreisel steht, weil es vielleicht eine besonders lustige Idee im Gemeinderat war, sondern dass sich hinter diesem Bildnis eine wahre Geschichte verbirgt, nämlich die Geschichte vom pflügenden Elefanten aus Enkenbach-Alsenborn. Dies ist nämlich sehr stark mit der Geschichte der Gemeinde verbunden, doch die ganze Wahrheit kommt noch später.

Im Norden des Pfälzer Wald steht die ungewöhnliche Kreiselkunst

Enkenbach-Alsenborn ist eine Gemeinde mit 7000 Einwohnern im Landkreis Kaiserslautern und liegt nur wenige Kilometer östlich von der Stadt, genau am nördlichen Rand von dem großen Pfälzer Wald. Dieser ist in Deutschland das größte zusammenhängende Waldgebiet. Autofahrer finden sehr leicht in den Ort, liegt er direkt nördlich von der Autobahn A6 von Mannheim nach Kaiserslautern und auch die Autobahn 63 von Kaiserslautern in den Norden führt an Enkenbach-Alsenborn vorbei. Die Bundesstraße 48 und die L395 von Kaiserslautern sind weitere Verbindungen, die direkt in den Ort führen. Der Kreisel mit dem pflügenden Elefant steht zentral in Enkenbach-Alsenborn in der Rosenhofstraße, an der Bahnschranke unweit des Bahnhofes. Wer also hier in der Nähe unterwegs ist, sollte sich diesen Kreisel mal ansehen. Am schönsten ist der Anblick natürlich, wenn man die bewegende Geschichte in Erinnerung hat, wie sich es zugetragen hat, dass der pflügende Elefant zu einem Teil der Stadtgeschichte wurde.

Der Elefant reiste von China nach Enkenbach-Alsenborn
Eine lange Reise hat der Elefant hinter sich gebracht. Aus dem fernen Shanghai kam der 15 Tonnen schwere Koloss nach Deutschland in die Gemeinde Enkenbach-Alsenborn. Der Elefant war ganze 5 Wochen auf See unterwegs, bevor er in Antwerpen erstmals europäischen Boden betrat. Von dort reiste er in den Rheinhafen in Ludwigshafen. Bei dem Gewicht, das dennoch nur etwa die Hälfte von dem original Elefanten beträgt, waren große Geräte bei der Verladung notwendig. So war ein 80 Tonnen Autokran nötig, um den Elefant von seinem Container auf den Sockel in den Kreisel zu verladen. Der Sockel musste vorher mit Beton überzogen werden, auf dem der Elefant befestigt wurde. Das Schauspiel fand unter der Beobachtung zahlreicher Zuschauer statt.
Die Maße sind beeindrucken für einen Menschen, auch wenn sie nicht ganz dem eines echten Elefanten entsprechen. So ragt der Elefant 2,5 Meter in die Höhe und ist etwa 3 Meter lang. In den original Maßen wäre der Elefant wohl weniger komfortabel transportierbar gewesen und auch auf dem Kreisel wäre der Anblick zu imposant gewesen.

Die Geschichte des pflügenden Elefanten blieb ohne „Happy End“

Die reale Geschichte hinter der Kunst auf dem Kreisel, dem pflügenden Elefanten auf dem Kreisel, fand gegen Ende des ersten Weltkrieges im Jahr 1917 statt oder soll dort stattgefunden haben. Die hier erzählte Überlieferung stammt von dem jüngsten Sohn des Hauptprotagonisten der Geschichte selbst, nämlich dem Sohn des Schreinermeisters Schmitt. 1917 waren die Männer im Krieg, dem Land ging es schlecht und es herrschte Chaos. Zudem waren die Pferde und Tiere für das Militär eingezogen, zu der Zeit gab es keine High-Tech Waffen. In der Gemeinde Enkenbach-Alsenborn gastierte ein Zirkus, der sich auf der Flucht auflöste und so waren zwei Elefanten hier stationiert. Genauer gesagt bei der Familie Moulier. Der Schreinermeister Schmitt war gerade bei der Familie Moulier beschäftigt, als die Tochter zu ihm kam und meinte, dass der Garten umgepflügt werden sollte, aber keine Tiere da sind, mit denen man das machen könnte. So kam Schmitt auf die Idee, dass man die Elefanten dazu verwenden konnte. Sie fertigten ein Geschirr an, das natürlich viel größer und stabiler sein musste, als das für Pferde oder Ochsen. Der Garten war auch schnell umgepflügt und fertig. Der Erzählung nach sollen sie noch etwas Schaden im Garten veranstaltet haben und nicht ganz so zahm gewesen sein. Abends jedenfalls erzählte Schreinermeister Schmitt seiner Frau, dass sie am Tag mit den Elefanten den Garten umgepflügt hatten und die Frau kam auf die Idee, dass die Elefanten ja auch die eigenen Äcker bearbeiten könnten. So machte sich der Schreinermeister Schmitt am nächsten Tag daran, dem Elefant wieder das Geschirr anzulegen und machte sich auf den Weg auf seine Felder. Da der Elefant nicht ganz so zahm war und auf jedes Wort gehorchte, bediente er sich am Korn des Nachbarfeldes und war schwer zu dirigieren. Er soll jedenfalls auch hier wieder einiges an Schaden angerichtet haben, den der Schreinermeister dann berichtigen und entschädigen musste. Richtig zahm soll er nur bei der Tochter der Familie Moulier gewesen sein. Die Elefanten selbst sollen die Zeit allerdings nicht überlebt haben, da Essen und Getreide knapp waren und ein Elefant Massen an Futter jeden Tag benötigt.

Das jedenfalls ist die Geschichte von dem pflügenden Elefanten. Sie ist aus Zufall und der Not geboren, zu einer Zeit, in der sich die Menschen mit ungewöhnlichen Methoden und Maßnahmen helfen mussten. Wer jetzt auf den Kreisel mit dem pflügenden Elefanten blickt, der hat vielleicht auch die Not und das Elend des Krieges im Kopf. Not macht erfinderisch, wie ein Sprichwort sagt. Einige heute lebende Personen haben die Zeit mit dem Zirkus, der nach dem zweiten Weltkrieg wieder zu neuem Leben erhob, miterlebt und können einige weitere kleine Geschichten von dem Zirkus in Enkenbach-Alsenborn erzählen. Die Geschichte mit dem pflügenden Elefanten ist jedenfalls so berühmt geworden in der Stadtgeschichte von Enkenbach-Alsenborn, dass ihr sogar ein Kreisel mit Kunstwerk gewidmet wurde.


Vielen Dank an die Stadtverwaltung die uns diesmal diese tollen Bilder auf Anfrage geschickt hat. Ich weiße ausdrücklich hin das hier ein Kopieren oder eine Weitergabe ohne Anfrage nicht erlaubt ist.

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Datum: Sonntag, 4. September 2011 16:17
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Ein Kommentar

  1. 1

    Hallo Kreiselkunst, is klar, mir sin all Pälzer, aber für die schöne Veröffentlichung sollten wir das nicht alle merken lassen. Text korrigiert:
    ….. tollen Bilder ….
    Ich weise darauf hin, dass ……..
    Sorry, ist nur als Hilfe gedacht
    Herzlichen Gruß
    Ulrich

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